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![]() | Triptychon für Blockflöte und Orchester: Entstehungsnotizen Im Juni 1999 musizierte ich zum ersten Mal mit John Tyson zusammen. Das Rheinische Collegium Musicum Wiesbaden hatte ihn als Solisten unserer 21. Johannisberger Schloss-Serenade eingeladen. Sofort entstand gegenseitige Anerkennung und Sympathie. John fragte mich, ob ich bereit wäre, ein Konzert für ihn zu schreiben. Zu jener Zeit war ich voll beschäftigt. Ich sagte aber, ich würde das gern tun, wenn er Geduld hätte, ein paar Jahre darauf zu warten. John wargeduldig genug. Er kam zu mir nach Koblenz, um mir alle Möglichkeiten der Blockflöte vorzuführen. Ich war von seinem Können überwältigt. Ich dachte mir ursprünglich, das Projekt vorläufig ruhen zu lassen, um meine Jahresplanung nicht durcheinander zu bringen. Es kam aber anders. Ich bekam sofort eine Flut musikalischer Ideen und ich musste alles andere liegen lassen, um diese Ideen schriftlich festzuhalten. Zwischen dem 23. Juni und dem 2. September 1999 entstand die Skizze einer Komposition, die über 40 Minuten dauert: Das größte Werk, das bisher für Blockflöte und Orchester geschrieben wurde. Zum ersten Mal wird dieses Instrument einem symphonischen Klangkörper in voller Besetzung gegenübergestellt. Die Form des Stücks ist eine Kombination aus Solokonzert, Programm- und Kammermusik, wie sie mir bisher nicht bekannt ist. In Triptychon wird die Solostimme ausgesprochen virtuos behandelt und im ersten Satz mit einer umfangreichen Kadenz ausgestattet. Das ist typisch für Solokonzerte, nicht aber für Programmmusik mit obligatem Soloinstrument. Das Orchester beschränkt sich in keinem Fall auf eine reine Begleitrolle, sondern wird zu einem ebenbürtigen Partner des Solisten. . Das ist wiederum charakteristisch für Programmmusik, nicht aber für Solokonzerte. Darüber hinaus sind Stellen vorhanden, in denen der Solist und die Solobläser des Orchesters kammermusikalisch musizieren. Das alles veranlasstemich dazu, das Stück nicht Konzert, sondern Triptychon zu nennen, eine Zusammenstellung dreier verschiedener Sätze, die persönliche Ereignisse reflektieren. Die langwierige Arbeit bei der Entstehung eines Musikstücks besteht nicht darin, es zu schreiben, sondern es zu editieren, damitSolist, Dirigent und jeder Musiker im Orchester seine eigene Stimme bekommt. Diese Aufgabe manuell zu bewältigen, hätte mich mehrere Jahre gekostet. Ich entschloss mich daher, ein geeignetes Notenprogramm für den PC zu erwerben, um Triptychon rechtzeitig für das dreißigjährige Jubiläum des Rheinischen Collegium Musicum Wiesbaden fertigstellen zu können. Ich leite dieses Orchester seit seiner Gründung 1973. Ich habe mich für das Notenprogramm Sibelius entschieden, mit dem die endgültige Fassung des Werkes zwischen dem 9. Februar und dem 26. April 2002 entstand. Programmatischer Inhalt 1. Satz, Ein leuchtender Tag : Ein wunderbar sonniger, heller Tag im Frühling. Ich mache eine Wanderung und genieße die Herrlichkeit der Landschaft, die Farben der Blumen und den Gesang der Vögel. Wieviel Schönes hat der liebe Gott für uns geschaffen! Nach einer Weile sitze ich an einem schattigen Platz und denke über die Ereignisse des Tages nach (Kadenz). Ein Gedanke wird deutlich. Das Geheimnis, glücklich zu sein, besteht nicht nur darin, Schönheit zu erkennen und zu schätzen. Genau so wichtig ist es, sich von negativen Ereignissen nicht bezwingen zu lassen, sondern sie als Herausforderung anzunehmen, daraus etwas zu lernen und sich selbst entsprechend zu verbessern. 2. Satz, Träume : Abends komme ich voller Energie nach Hause . Körper und Seele brauchen Zeit, die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten. Ich verbringe eine unruhige Nacht und träume, was bei mir selten vorkommt. Auf einmal bin ich im Nahen Osten, zu Gast in einem luxuriösen Harem. Kaum habe ich mich an diesen glücklichen Zustand gewöhnt, bin ich schon wieder wach. Als es mir gelingt, nochmals einzuschlafen, bin ich in Südamerika, wo ich den echten Tango erleben darf. 3. Satz, Tanz : Am nächsten Morgen fühle ich mich noch müde. Ich spüre jedoch das Bedürfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein. An dem Tag findet ein Volksfest statt und ich gehe dorthin. Es erklingt Musik und wir alle fangen an zu tanzen. Bald vergesse ich meine Müdigkeit. Es entsteht eine Art kollektiver Euphorie, und wir lassen uns vom Zauber der Musik beflügeln. Im diesem Augenblick sind wir alle Brüder, auch wenn wir uns vorher nie begegnet sind. Warum ist es eigentlich so? Ich bekomme eine interessante Antwort. Gemeinsames Tanzen sei ein Sinnbild jeden gemeinsamen Tuns. Der Mensch ist nun mal ein geselliges Wesen. Er kann sein Dasein auf dieser Erde nur erfüllen, wenn er für andere Menschen etwas tut, beziehungsweise mit anderen Menschen etwas aufbaut. David Serendero | |